Weinrallye feiert den 50. – Herzlichen Glückwunsch!

Wer öfter mal in Weinblogs mitliest, hat vielleicht auch schon etwas von „Weinrallyes“ gehört. Initiator der deutschsprachigen Weinrallye war ursprünglich Thomas Lippert vom Winzerblog. Weinrallye bedeutet, dass zu einem festgelegten Tag von verschiedenen Bloggern Artikel zu einem vorgegebenen Thema veröffentlicht werden. Das Thema wird jedes Mal von einem anderen „Gastgeberblog“ vorgegeben. In der Facebook-Gruppe der Weinrallye heißt es dazu:

Die Weinrallye ist ein derzeit monatlich stattfindendes Blogevent. Jeweils ein anderes Blog bestimmt ein Thema und ruft die Blogosphäre dazu auf, zu diesem Thema einen Artikel zu verfassen. Sinn und Zweck einer Weinrallye ist einzig und alleine der Spass und die Motivation schöne Themen aufzuarbeiten.

Die erste Weinrallye wurde am 10 Juni 2007 im Winzerblog ausgerufen. Vorbild für die Weinrallye ist das von Lenn Thompson organisierte Blogevent Wine Blogging Wednesday, welches inzwischen zu einem Weltumspannenden Blogevent wurde.

Teilnehmen dürfen natürlich nicht nur reine Weinblogger, sondern auch andere an Wein interessierte Blogger und natürlich auch alle anderen. Wer keinen eigenen Blog hat, kann entweder auf einer öffentlichen Facebookseite einen Artikel posten oder beim jeweiligen Gastgeberblog einen Gastartikel veröffentlichen.

Die erste Rallye, vor fast fünf Jahren, stand übrigens unter dem Motto „Reif für die Insel“. Der damalige Aufruf beschreibt den (Spaß-)Gedanken der Weinrallye immer noch sehr gut:

Also besorgt euch was, verkostet den Wein, schreibt was ihr darüber denkt, egal ob Punkte, Degustationsnotizen oder nur eure Ansicht über das Etikett, es spielt keine Rolle!! Hauptsache der Wein kommt von einer Insel!! Schreibt, trinkt und fotografiert.

Vorschläge gefällig? Sizililen, Kanaren, Malta, Zypern, in Griechenland sollte es auch Inselwein geben. Selbstverständlich auch Inselweine aus Deutschland, von mir aus auch Island  ;-) Natürlich dürfen es auch mehrere Weine sein, kein Problem!!

Lediglich Australien als Kontinent ist nicht erlaubt, bei England drücke ich ein Auge zu ;-)

Die aktuell 50. Weinrallye läuft unter dem Motto „Naturwein“ und wird morgen, am Freitag, 27. April, wieder in zahlreichen Blogs nachzulesen sein. Gastgeber ist dieses Mal das Weingut Lisson mit dem Lissonblog.

Wer gerne einmal selbst als Autor mitmachen möchte, findet alle Infos und die kommenden Themen auf der Weinrallye Seite bei mixxt (Registrierung erforderlich).

Die wichtigsten Weinländer der Welt Teil 5: Portugal

Wein spielt in Portugal eine wichtige Rolle. Schon beim Pro-Kopf-Verbrauch liegen die Portugiesen mit über 42 Litern pro Jahr (PDF) im weltweiten Spitzenfeld und trinken damit fast das Doppelte des Durchschnittsdeutschen. Wichtiger ist aber die wirtschaftliche Rolle, die der Weinbau für die Portugiesen spielt: rund 15 % der erwerbstätigen Bevölkerung leben vom Weinbau.

Wie in den meisten europäischen Ländern ist aber auch in Portugal die bebaute Rebfläche in den letzten 20 Jahren kontinuierlich gesunken. 2010 waren es noch 243.000 Hektar, aus denen 6,7 Millionen Hektoliter Wein produziert wurden (PDF). Zum Vergleich: Deutschland produzierte aus 102.000 Hektar im gleichen Zeitraum 7,2 Millionen Hektoliter.

Wie in Spanien ist der geringe Ertrag in erster Linie eine Folge des sehr trockenen Klimas und der traditionellen An- und Ausbauverfahren. Seit etwa zehn Jahren herrscht unter portugiesischen Winzern aber eine extreme Aufbruchstimmung. Während im Landesinneren meist noch traditionell schwere und tanninreiche Rotweine produziert werden, die ohne technische Hilfsmittel und mitsamt den Stielen der Trauben gekeltert werden, entstehen  an der kühleren Atlantikküste viele fruchtig-leichte und moderne Weißweine.

Die Anbauflächen erstrecken sich vom äußersten Süden bis in den höchsten Norden über große Teile Portugals und wachsen meist auf Schiefer und Granitböden. Eine Besonderheit ist auch die Vielfalt der in Portugal angebauten Rebsorten: Über 500 angebaute und autochtone, also einheimische, Sorten sind aus Portugal bekannt. In einzelnen Weinbergen werden bis zu 30 verschiedene Rebsorten in einer Lage angebaut. Der Grund für die fast einzigartige Vielfalt liegt in der Jahrhunderte währenden Isolation des portugiesischen Weinbaus, die erst mit Eintritt in die EU 1986 wirklich aufgehört hat. Die wichtigsten Rebsorten sind heute Arinto, Azal Esgana Cao, Loureiro und Trajadura bei den Weißweinen und Tinta Barroca, Sousao, Baja, Aragonez und Bastardo bei den Rotweinen. Rund 70 % der Anbaufläche entfällt auf Rotweinsorten.

Die international bekanntesten Portugiesen sind für viele wohl „Geschmacksache“: Sowohl der Portwein wie auch der liebliche Mateus Rosé sind nicht jedermanns Liebling. Dagegen bietet die Region Vinho Verde, die die Anbaugebiete Porto, Viana do Castelo und Braga umfasst, inzwischen ausgezeichnete, fruchtig-leichte Weißweine. Der geringe Alkoholgehalt von meist nur acht bis zehn Prozent hat die Weine international zu beliebten Sommerweinen gemacht, die meist sehr jung getrunken werden.

Traditionell ausgebaut, ist der Vinho Verde ein moussierender Wein. Die feinperlige Kohlensäure entsteht durch den natürlichen Abbau, der in den Trauben enthaltenen Apfelsäure während der Gärung. Dieser natürliche Gärungsprozess verlangt den Winzern allerdings einiges an Erfahrung ab und es besteht immer das Risiko, dass der Wein während des Gärungsprozesses „kippt“. Bei den meisten industriell gefertigten Vinho Verde Weinen wird der Säureabbau heute durch Schwefelung in Zaum gehalten, was aber die Bildung von Kohlensäure verhindert, die anschließend künstlich wieder hinzugefügt wird. Rotweine aus der Vinho Verde sind sehr schwer und tanninreich, spielen im Export aber so gut wie keine Rolle und sind bei uns annähernd unbekannt.

Das portugiesische Klassifizierungssystem für Qualitätsweine umfasst heute fünf Weinbauregionen mit insgesamt 32 geschützten Anbaugebieten. 26 Gebiete haben das DOC-Siegel, das mit dem französischen AOC vergleichbar ist. Sechs Gebiete produzieren Weine unter der Bezeichnung IPR, was dem französischen V.D.Q.S. entspricht. Dazu kommen noch Gebiete, die als Landwein mit Herkunftsbezeichnung etikettiert werden. Alle übrigen Weine werden als Tafelweine vermarktet.

Spezielle portugiesische Weinbezeichnungen:

Ver­des:
Jung­weine, die gleich nach Been­di­gung der Gärung getrun­ken werden.
Maturo:

Die Bezeich­nung „reife“ Weine gilt für alles, was nicht zu den Ver­des gehört.
Gar­ra­feida:

Eti­ket­ten­be­zeich­nung für einen Spit­zen­wein, der lange (oft zehn Jahre) im Faß oder im Kel­ler gela­gert hat.

Nicht bekannt sein, dürfte den meisten wahrscheinlich, dass Portugal der weltweit größte Korkenproduzent ist. Über 50 % der weltweit produzierten Korken stammen von portugiesischen Korkeichen. Ein bisschen Portugal steckt also in mehr Flaschen, als man denkt.

Wein als Geldanlage: Ex-Wall-Street-Banker sammeln 50 Millionen US-Dollar für neuen Fonds

Wein ist schon lange nicht nur Genussmittel, sondern auch Investitionsobjekt. Vor allem über China liest man zuletzt immer wieder, dass Wein für das Reich der Mitte nicht nur zum Trinken, sondern auch als Geldanlage genutzt wird.

Die zwei ehemaligen Investmentbanker und aktiven Weinliebhaber Brian Mota und Timothy Clew haben zusammen einen neuartigen Weinfonds ins Leben gerufen, für den sie 50 Millionen US-Dollar einsammeln wollen. Anders als bisher – Weinfonds waren meist von Hedgefonds initiiert – bauen sie mit der TWT Investment Partners LP, nach eigener Aussage, den ersten Private-Equity-Fonds für Wein auf.

Anstatt in Anteilsscheine und abstrakte Finanzprodukte investiert der TWT-Fonds hauptsächlich in real existierenden Wein, lagert diesen ein und wartet, bis Kundennachfrage und Wert steigen, wie Welt Online schreibt:

Der Fonds kauft sowohl physischen Wein als auch Futures direkt von Wein-Großhändlern, um sich niedrigere Preise und große Mengen zu sichern für Investments in die am stärksten nachgefragten Weine.

Der Fonds lagert seine Flaschen hauptsächlich in Europa und verkauft sie vorrangig an Einzelhändler und Restaurants, mit denen enge Beziehungen aufgebaut worden sind. Andere Käufer kommen von der London International Vintners Exchange, einer elektronischen Handelsplattform für Weinhändler. Auf diese Weise vermeidet der Fonds die 20-Prozent-Gebühr, die Auktionshäuser in aller Regel verlangen.

Die Anleger brauchen allerdings auch Geduld, bis sie wieder an ihr Geld kommen: über den Zeitraum von acht Jahren lässt sich das investierte Geld in der Regel nicht wieder abziehen. Damit wollen die Fondsgründer sicherstellen, dass sie nicht von kurzfristigen Marktschwankungen abhängig sind und in Ruhe das Geld der Anleger vermehren können.

Das Branchenbarometer Liv-Ex Fine Wine 100 Index, das die führenden und weltweit am meisten nachgefragten Weine beobachtet, hat in den letzten sieben Jahren eine Rendite von knapp 200 % errechnet. Allerdings sieht man auch, dass die Kurve nicht immer nur steigt:

Die eigenen Weinkeller der beiden Gründer sind übrigens auch nicht ohne. Jeder der beiden hat über 500 Flaschen edlen Wein im eigenen Keller. Das Verhältnis von Qualität zu Preis scheint zudem auch noch ganz gesund zu sein. Das lässt zumindest diese Aussage vermuten:

“Unterm Strich sind all diese Investments jeweils nur 750 Milliliter an Traubensaft”, sagte Mota. “Bei 1.500 Dollar für eine Flasche Lafite bleibt die Frage, ob Lafite zehn Mal besser ist als Lynch Bages für 150 Dollar pro Flasche.”

Zumindest Investoren können das so sehen. Schließlich spielt der qualitative Trinkgenuss in diesem Fall eine untergeordnete Rolle. Es geht vorrangig um’s liebe Geld. Wer in Gold investiert, bastelt daraus am Ende schließlich ja auch eher selten Halsketten oder Ringe…