Wein-Mythen Teil 9: Korkenzieher – gibt es DEN Besten?

Diskussionen über Korkenzieher können fast so emotional sein, wie Diskussionen über den Korken selbst. Ähnlich wie manche auf Kork als einzig richtigen Verschluss schwören, setzen einige ausschließlich auf DEN einen Korkenzieher als das einzig wahre Gerät, um den Korken zu entfernen und an den Wein zu gelangen.

Wir haben uns etwas umgeschaut und versucht herauszufinden, was denn nun DER beste Korkenzieher am Markt ist, unabhängig von Marken und Herstellern. Uns ging es in erster Linie um die Funktionsweise und Handhabung.

T-Korkenzieher (Quelle: Wikipedia.de) Der absolute Klassiker: Der T-Korkenzieher. Eine Spindel, ein Griff. Fertig. Das Fazit der meisten Tester: Funktioniert, ist aber extrem kraftaufwändig und wenig komfortabel. Sitzt der Korken fest, hilft nur Einklemmen der Flasche zwischen den Oberschenkeln und Daumendrücken, dass der Korken nicht reisst und der Flaschenhals nicht bricht.
Praktisch und komfortabel: Der Drehgriff- oder Spindelkorkenzieher. Diese Modelle bugsieren den Korken nicht durch Ziehen aus der Flasche, sondern durch die Drehbewegung einer gegenläufigen Spindel. Die Spindel selbst ist meist speziell beschichtet und sehr dünn gehalten und „schraubt“ sich in den Korken, während dieser sich an der Spindel nach oben bewegt. Fazit: Sehr einfach in der Handhabung und wenig Kraftaufwand. Allerdings kann es bei manchen Modellen mit geschlossener Glocke zu Problemen bei dicken Flaschenhälsen kommen.
Ein weiterer Klassiker: Der Flügel- oder Hebelkorkenzieher. Die Funktionsweise ist eigentlich sehr simpel. Die Spindel wird angesetzt und in den Korken gedreht. Gleichzeitig heben sich „die Flügel“ an den Seiten, bis sie fast senkrecht nach oben schauen. Durch Herunterklappen der Flügel wird der Korken aus der Flasche gezogen. Kraftaufwand: gering. Allerdings ist die Spindel oftmals etwas kurz und der Korken kommt nicht komplett aus der Flasche und muss am Ende durch Hebeln und Ziehen aus der Flasche bugsiert werden.
Profi-Equipment am Küchentisch: Der Tischkorkenzieher. Für den Privatgebrauch eigentlich übertrieben sind Tischkorkenzieher. Fest am Tisch verschraubt, erlauben sie durch einen Hebelmechanismus und einen ausladenden Hebelarm das schnelle Öffnen der Flasche. Kraftaufwand: sehr gering. Wer Wein in rauhen Mengen trinkt, wird mit einem Tischkorkenzieher vielleicht glücklich. Für den Rest dürften diese Modelle sowohl von den Abmessungen als auch vom Preis etwas überdimensioniert sein.
Halbautomatische Zangenkorkenzieher: vom Grundprinzip eine Mischung aus Flügel- und Tischkorkenziehern. Eine Art Zange wird um den Flaschenhals gelegt und die Flasche damit fixiert. Die Spindel dreht sich anschließend durch Herunterdrücken eines Hebels in den Korken. Bewegt man den Hebel wieder nach oben, wird der Korken ohne großen Kraftaufwand aus der Flasche gezogen. Fazit: sehr komfortabel, aber auch teuerer in der Anschaffung und ausserdem etwas klobig und platzraubend bei der Aufbewahrung.
In der Gastronomie der Standard: Das Kellnermesser. Die Spindel wird in den Korken gedreht und anschließend ein kleiner Hebel am Flaschenhals angelegt. Anschließend wird der Korken durch eine Hebelbewegung aus der Flasche gehebelt. Fazit: geringer Kraftaufwand mit etwas Erfahrung sowie einige Übung, um den Korken auf Anhieb vollständig aus der Flasche zu bekommen. Viele Weinliebhaber schwören darauf.
Sehr speziell sind Federkorkenzieher. Anstelle einer Spindel werden zwei unterschiedlich lange Metallstreifen zwischen Flaschenhals und Korken in die Flasche geschoben. Durch vorsichtige Dreh- und Ziehbewegungen verkanten sich die Metallstreifen und bugsieren den Korken durch weitere Dreh- und Ziehbewegungen aus der Flasche. Mit etwas Übung bekommt man den Korken am Ende tatsächlich aus der Flasche. Ohne Übung ist es eine schwer lösbare Aufgabe. Allerdings sind Federkorkenzieher bei sehr alten und brüchigen Korken oft das einzige Hilfsmittel, um an den Wein zu gelangen. Die Gefahr des Korkenbruchs ist bei diesem System sehr gering.
Fragwürdige Exoten: Zu den wohl fragwürdigsten Exoten zählen Gaskartuschen-Korkenzieher. Eine Nadel sticht dabei durch den Korken und pumpt Luft in die Flasche, wodurch der Korken herausgedrückt werden soll. Klappt aber nicht immer und wenn es klappt, ist nach etwa sieben Weinflaschen die Gaskartusche bereits leer. Fazit: unsinnig. Nicht viel sinnvoller für den alltäglichen Gebrauch aber etwas witziger, ist der Korkenzieher, den es gemeinsam mit einem Akkuschrauber gibt. Fazit: Etwas für den Heimwerkerkönig.

Wir hatten am Anfang des Artikels angekündigt zu schauen, was DER beste Korkenzieher ist. Das ist aber überhaupt nicht so leicht zu beantworten. Was wir schnell gemerkt haben: Es geht auch hierbei oft um Glaube, Stil und eine klassische oder moderne Einstellung. Die Stiftung Warentest gibt beispielsweise den Flügel- und halbautomatischen Zangenkorkenziehern den Vorzug, während die meisten Weinexperten auf das Kellnermesser oder den Spindelkorkenzieher schwören.

Selbst bei uns im Team sind drei unterschiedliche Modelle im Einsatz: Spindelkorkenzieher, Zangenkorkenzieher und natürlich das Kellnermesser.

Fazit: DEN besten Korkenzieher für jeden Weintrinker gibt es nicht.

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