Rechtzeitig zur Weihnachtszeit hat sich die Stiftung Warentest in ihrer aktuellen Ausgabe dem Test von Rotweinen gewidmet.
Wenn die Stiftung Warentest Wein testet, funktioniert das natürlich anders als bei den meisten Weinverkostungen mit Anspruch. Neben der beinahe obligatorischen Blindverkostung der Weine wurde zusätzlich auf Laboruntersuchungen zurückgegriffen. In der Pressemeldung der Stiftung Warentest heißt es dazu:
Weine ab 5 Euro kann die Stiftung Warentest empfehlen, nachdem sie 24 trockene Rotweine aus Deutschland, Spanien, Frankreich und Italien zu Preisen zwischen 5 und knapp 13 Euro im Labor untersucht und sensorisch bewertet hat. In der sensorischen Prüfung werden Aussehen, Geruch, Geschmack und Mundgefühl untersucht. Die Tester beschreiben außerdem, welcher Wein sich für welches Gericht besonders eignet. Veröffentlicht sind die Ergebnisse in der Dezember-Ausgabe der Zeitschrift test.
Allerdings kommt es bei der Stiftung Warentest in den Ergebnissen stellenweise zu Abwertungen, die dem wirklich interessierten Weintrinker wohl denkbar egal bis unverständlich sind. Im aktuellen Test „der besten Weine zum Fest“ wurde beispielsweise ein italienischer Wein abgewertet, weil das Etikett nicht auf deutsch beschriftet war.
Die Weinakademie Berlin hat dies schön auf den Punkt gebracht:
Ein Fachhandelswein, mit 12,80 Euro einer der teuersten Weine im Test, wird abgewertet, weil das Etikett in Italienisch ist und keine deutschen Erklärungen zu finden sind. Der “vielseitig ausgeprägte Sizilianer” schneidet in den Disziplinen “Chemische Qualität” und “Schadstoffe” gut ab, sensorisch gehört er sogar zu den Besten. An dieser Stelle ist der Test doch etwas unrealistisch: wer sich auskennt, weiss, daß die Fachhändler Weine mit Original-Ausstattung bevorzugen, weil das von ihren Kunden als authentisch gewertet wird.
Klar, die Stiftung Warentest beurteilt nicht nur die Qualität des Flascheninhalts, sondern prüft auch die Einhaltung wichtiger Informationsrechte der Verbraucher. Eine verständliche Beschriftung gehört zwar dazu, aber wer liest schon im Detail, was alles auf dem Etikett steht, selbst wenn es in deutscher Sprache geschrieben ist? Und das womöglich noch während des Weihnachtsessens…
Zudem lässt sich wirklich darüber streiten, was der Leser mit Aussagen wie dieser anfangen soll:
Auf wirklich herausragende Qualität trafen die Tester in diesem Preissegment jedoch nicht: weder im Weinfachhandel, noch beim Discounter, Supermarkt oder im Bioladen.
Demnach steht in deutschen Weinregalen im Wesentlichen Schrott. Schließlich geht der Großteil der in Deutschland verkauften Weine nicht nur beim Discounter, sondern auch bei Fachhändlern für weit unter 13 Euro über den Ladentisch. Da sollte man sich dann doch eher die Frage stellen, weshalb die Tester nicht auf herausragende Qualität trafen.
Zu guter Letzt kam auch noch die Bestätigung gängiger Vorurteile beim Test der Stiftung Warentest klar zum Vorschein. So heißt es gleich im großen Teasertext des Artikels, dass man zwar Festtagsweine ab 5 Euro empfehle, dass aber zwei deutsche Spätburgunder die Stimmung deutlich trüben. Mal wieder der schlechte deutsche Rotwein, der zum Bedienen eines Klischees herhalten darf. Mit negativer Kritik wird auch sonst im Artikel selbst nicht gespart:
Die deutschen Rotweine bieten ein uneinheitliches Bild. Während zwei sensorisch knapp „gut“ und dabei günstig sind (Rietburg Dornfelder, 6,50 Euro und Vier Jahreszeiten Saint Laurent, 5,30 Euro), können andere die Stimmung trüben: Lidl/Junge Winzer Baden Spätburgunder hat einen starken Sauerkrautton, riecht gülleartig, milchsauer und schmeckt scharf – das Sensorikurteil lautet deshalb „mangelhaft“. Nur „ausreichend“ schneidet ein Spätburgunder von der Ahr ab, drei weitere sind sensorisch „befriedigend“.
Unabhängig davon, ob die Kritik an den getesteten Weinen berechtigt ist oder nicht, würde man sich als Leser vermutlich eher wünschen, Empfehlungen zu lesen, als detailliert begründet zu erfahren, was man besser nicht kaufen sollte.
Wie bei vielen Weinverkostungen, bleiben also auch bei der Verkostung der Stiftung Warentest einige Fragezeichen offen: Liegt die mangelnde Qualität wirklich am Preissegment von 5-13 Euro? Wir denken nicht. Für uns gibt es durchaus sehr gute Weine mit ausgezeichneter Qualität in diesem Segment. Man muss eben nur die Richtigen für den Test auswählen…
Diejenigen, die (dennoch) Interesse an den kompletten Testergebnissen haben, können sie direkt bei der Stiftung Warentest (kostenpflichtig) herunterladen.

