Weinjahr 2011 – was war, was wird, was können wir erwarten?

Übermorgen beginnt das Jahr 2012. Während die meisten Branchen ihre Prognosen für das kommende Jahr anstellen, befindet sich die Weinbranche eher in der Rückschau. 2012 ist das Jahr des Jahrgangs 2011. Wir haben uns nochmal umgeschaut, was wir vom vergangenen Jahr erwarten können.

Die Rheinische Post hat exemplarisch den 2011er Riesling von Johannes Ohlig unter die Lupe genommen und kommt zu einem Schluss, der vielleicht für die ganze Branche gilt:

Würde man für den Geschäftsklima-Index des kommenden Jahres ausschließlich Winzer befragen, man würde einen Wert ermitteln, der dem deutschen Wirtschaftswunder überraschend nahe käme.
(…)
Ja, gelächelt haben auch wir im Zehnthof-Keller des Jahres 2011, der uns tief in die Weinzukunft des neuen Jahres blicken ließ. Und die ist rosig, gehaltvoll und inspirierend. Ausnahmsweise nüchterner betrachtet: Sie besitzt einen außerordentlichen Geschäftsklima-Index. Prosit – auf gut Deutsch: Es möge nützen!

Der Drink Tank stellt das Weinjahr 2011 in eine Reihe mit den Jahrhundertjahrgängen 1811 und 1911. Zumindest die extrem hohen Mostgewichte lassen gespannt auf die ersten Ergebnisse warten:

Und damit steht jetzt die Frage tatsächlich im Raum: wird der Jahrgang 2011 ein alle anderen überragender Jahrhundertjahrgang wie ihn die beiden legendären Jahre 1811 und 1911 hervorgebracht haben? Wiederholt sich die Zahlenspielerei also ein weiteres Mal?

1811, 1911, 2011 – Eines ist klar in punkto Mostgewichte hat der Jahrgang 2011 bereits jetzt den Sprung in die Annalen und in die Rekordlisten geschafft. Mit 340 ° Oechsle, gemessen bei einer Charge von 20 Liter Riesling TBA aus dem Geisenheimer Rothenberg, führen derzeit die Weingüter Wegeler aus Oestrich-Winkel die Liste der höchsten Mostgewichte von 1921 bis 2011 an.

Der Winzer und Blogger Dirk Würtz schreibt über 2011:

Es sieht tatsächlich so aus, als ob 2011 etwas ganz besonderes werden könnte. Insbesondere im restsüßen Bereich und bei den trockenen Spitzen. Wenn ich die Jungweine probiere, entdecke ich momentan ganz außergewöhnliche Aromen, die ich so bisher nicht kannte. Alles schmeckt extrem klar und balanciert. Fast schon zu gut zum jetzigen Zeitpunkt. Ich bin in der Einschätzung eines Jahrganges ja immer eher zurückhaltend und weiß beim besten Willen nicht, ob 2011 ein ganz großes Jahr wird. Es wird aber sicherlich ein sehr gutes, das kann man jetzt schon ohne Übertreibung und mit Sicherheit sagen.

Positive Meldungen von DWI und VDP ist man natürlich gewohnt. Die Einschätzungen der Branchenverbände für die 2011er Ernte sind aber auffallend sachlich und unaufgeregt. Scheinbar gibt es nichts, was man durch überzogene Pressemeldungen „gutschreiben“ müsste:

(VDP) „Wir haben einen vollreifen, hoch qualitativen Jahrgang einbringen können. Ob der 2011er das Potential hat, sich in die Tradition der legendären „Elfer“  – 1811 und 1911 – einreihen zu können, werden wir endgültig erst bei den Jungweinproben im Frühjahr wissen. Das Potential scheint jedoch vorhanden zu sein. Unsere Ersten Lagen haben in jedem Fall ihre Vorzüge bewiesen“, freut sich VDP-Präsident Steffen Christmann.

(DWI) „Qualitativ gesehen, lässt der Jahrgang 2011 keine Wünsche offen“, freut sich Weber. „Dank des Bilderbuchherbstes erreichte ein großer Teil der Ernte das Prädikatsweinniveau. Die Weinfreunde bekommen beim 2011er viel Wein fürs Geld und können bei allen Qualitätsstufen aus dem Vollen schöpfen“, so der Weinbaupräsident.
(…)
„Dieser tolle Jahrgang 2011 wird nicht nur hierzulande, sondern auf unseren Auslandsmärkten für große Aufmerksamkeit sorgen“, ist sich DWI-Chefin Monika Reule sicher.

Was auch immer 2012 in anderen Bereichen bringen mag, um den Weinjahrgang, der mit dem 2011er ab Frühjahr auf den Markt kommt, braucht man sich keine Sorgen machen. Ganz im Gegenteil: Was uns im Frühjahr bei den ersten Verkostungen erwartet, hat definitiv das Zeug zu einem ganz großen Jahrgang.

Bleibt uns also an dieser Stelle nur noch, allen ein erfolgreiches und glückliches neues Jahr 2012 zu wünschen!

Wein-Mythen Teil 3: Kork ist ein Qualitätsmerkmal und gut für die Lagerung

Im letzten Beitrag aus der Reihe Wein-Mythen haben wir uns damit beschäftigt, ob Wein mit dem Alter wirklich immer besser wird. In diesem Beitrag zeigen wir, wie man Wein richtig lagert, um ihm überhaupt die Chance zu geben, richtig zu reifen und auch nach vielen Jahren noch beste Qualität zu bieten.

Einen Mythos, der sich schon lange hält, aber leider nicht korrekt ist, entzaubern wir gleich zu Beginn: Kork ist nicht der optimale Verschluss für hochwertigen Wein! Traditionell ja, gut nein. Zu groß ist die Gefahr, dass der Wein den typischen Korkgeschmack annimmt und damit ungenießbar wird. Außerdem besteht immer die Gefahr, dass der Korken mit den Jahren austrocknet und damit spröde und undicht wird. Dadurch gelangt Sauerstoff an den Wein, und das ist dessen Todesurteil.

Wein mit Korken wird liegend gelagert

Richtig ist aber, dass ältere Weine mit Korken immer liegend gelagert werden sollten. So bleibt der Korken feucht und damit länger haltbar. Außerdem kann es helfen, die Flasche über dem Korken zusätzlich mit einer Mischung aus Siegellack und Kerzenwachs zu verschließen, um einen Sauerstoffaustausch zu verhindern. Bei sehr alten Weinen, bei denen die Korken bereits spröde und brüchig sind, hilft dagegen nur das „Umkorken“. Dabei werden die alten Korken gegen neue ersetzt, was allerdings nur von Fachbetrieben durchgeführt werden kann.

Besser als Korken eignen sich zur Lagerung von Weinen allerdings die bei vielen Weinliebhabern unbeliebten Schraubverschlüsse. Diese sind auch besser geeignet als Kunststoffkorken, bei denen Langzeiterfahrungen bezüglich der zwangsläufig zugeführten Weichmacher fehlen. Ebenfalls für lange Lagerzeiten geeignet sind Glasschliff-Verschlüsse.

Wein mag es dunkel, kühl und nicht zu trocken

Generell kann man zur Lagerung sagen, dass es Wein gerne dunkel, kühl und etwas feuchter mag. Vor allem aber bekommt es Wein überhaupt nicht, wenn er großen Temperaturschwankungen ausgesetzt wird. Die ideale Temperatur liegt bei etwa 13 °C und 60 % Luftfeuchtigkeit. Ist es deutlich feuchter, besteht die Gefahr, dass der Korken (und das Etikett) schimmelt; ist es trockener, trocknet der Korken aus.

Schnelle und regelmäßige Temperaturschwankungen sind für den Wein dabei deutlich schädlicher, als sich langsam mit den Jahreszeiten ändernde Temperaturen. Ein Keller, der im Sommer 18 °C und im Winter 12 °C hat, ist also kein Problem. Räume, die die Temperatur zwischen Tag und Nacht ändern, sind dagegen denkbar ungeeignet.

Je größer die Flasche, desto besser die Lagerfähigkeit

Außerdem kann man sagen, dass sich größere Flaschengrößen zur Lagerung besser eignen. In der großen 1,5 Liter Magnumflasche reift der Wein deutlich langsamer als in der 0,75 Liter Flasche.

Bei Wein besteht zudem immer das Risiko, dass er Fremdgerüche aufnimmt: Waschmittel, Zwiebeln, Kartoffeln oder gar Heizöl sollten im Lagerraum ebenso tabu sein wie regelmäßige Erschütterungen. Dadurch werden Schwebstoffe im Wein aufgewirbelt, die den Reifeprozess beeinträchtigen können.

Wie sieht er aus, der optimale Lagerplatz?

Zusammengefasst bietet der optimale Lagerplatz für Wein also folgendes:
- Dunkelheit
- Temperaturen zwischen 12-18 °C
- keine täglichen Temperaturschwankungen
- nur geringe jahreszeitliche Temperaturschwankungen
- etwa 60 % Luftfeuchtigkeit (wichtig bei Kork-Flaschen)
- keine Erschütterungen (auch die (Wein-) Regale oder ähnliches sollten sehr stabil sein)
- keine Fremdgerüche

Wo man diese Bedingungen vorfindet? Meist in Altbaukellern, die allerdings oft eine zu hohe Luftfeuchtigkeit haben. Diese kann man jedoch mit Raumentfeuchtern in den Griff bekommen. In den meisten Neubaukellern ist die Luft dagegen zu trocken. Dort helfen dann Raumbefeuchter oder evtl. kleine Klimaanlagen. Wer seine Weine direkt in der Wohnung lagern muss, sollte die Anschaffung eines speziellen Weinkühlschranks in Betracht ziehen.

50.000 Euro für sechs Flaschen Wein: Wer darf sich über dieses Geschenk freuen?

Eine kleine Shopping-Tour hat ein Kunde kurz vor Weihnachten am Pariser Flughafen vorgenommen. Sechs Flaschen Rotwein zum stolzen Preis von 49.905 Euro. Gekauft im Duty-Free-Shop. Ein Mitbringsel zu Weihnachten vielleicht? Oder nur Langeweile vor dem Abflug? Manche Fragen sich auch, ob die Qualität der Weine diesen Preis überhaupt rechtfertigt:

Unter den edlen Tropfen, die im Duty-Free-Shop des Terminals 2 über den Verkaufstisch gingen, waren zwei Prädikatsweine des Gutes Chateau Lafitte aus dem Jahr 1982 und zwei Flaschen des Chateau Petrus von 1980.

1982 gilt bei Bordeaux-Weinen als so genannter Jahrhundertjahrgang.  1980 zählt allerdings zu den schlechtesten Jahrgängen in Bordeaux während der letzten Jahrzehnte. Ist dem asiatischen Käufer aber wahrscheinlich egal. Denn meistens wird der teure Rote eh mit Cola gespritzt.

Wer jetzt etwas unsicher wird, ob seine Geschenke für morgen wirklich wertvoll genug sind, für den haben wir hier noch einen Last-Minute-Tipp. Mit der Lieferung wird es zwar wahrscheinlich so kurzfristig nichts mehr aber vielleicht tut es ja auch ein Gutschein für einen Penfolds BIN 620:

Der 2008er BIN 620 will preislich einem Château Petrus oder Château Lafite
Rothschild das Wasser abgraben. Mit brutalen 1.000 Euro für den Konsumenten mutiert der BIN 620 zum weißen Hai im Karpfenteich monetärer Wein-Giganten. Und schmunzeln ist angesagt, wenn Peter Gago die Miniproduktion von gerade mal 800 12er Kisten anspricht. 800x12x1000=9.600.000.

Allen, die sowohl mit ihren zu verschenkenden Geschenken, wie auch mit ihren Weinen zufrieden sind, wünschen wir an dieser Stelle ein schönes Weihnachtsfest. Lassen Sie es sich gut gehen und genießen Sie ein gutes Glas Wein.