Der Gault Millau Weinführer 2012 wurde kürzlich veröffentlicht. Wie jedes Jahr hat auch die aktuelle Ausgabe wieder für einige Diskussionen gesorgt. Inzwischen haben sich so ziemlich alle darüber ausgelassen und wir haben die interessantesten Meinungen aus den führenden Wein-Blogs zusammengetragen:
Die Langeweile kommt vorn im Buch auf. Da, wo eigentlich Veränderungen sichtbar werden sollten. Egon Müller bekommt die Trophäe für die „Kollektion des Jahres“. Sicher, ein Jahr wie 2010 spielt einem Winzer mit Schwerpunkt edelsüße Weine in die Karten. Doch kommen aus dem Keller von Egon Müller nicht schon seit einem halben Jahrhundert großartige Kollektionen? Auch in kleinen Jahren? Die ganze Welt weiß das. Einen Erkenntniswert hat diese Auszeichnung nicht. Es sei denn die Erkenntnis, dass dem Gault Millau nichts mehr einfällt.
Nun, wie gesagt, alles in allem ist der Gault Millau durchaus konsequent, was nicht davon abhält, dass manche Entscheidungen streitbar sind. Aber ist dies nicht Aufgabe eines Weinführers sein eigenes Profil herauszuarbeiten? Am Ende frei nach Shakespeares “Viel Lärm um nichts” komme ich erneut zu dem Schluss, dass auch der Gault Millau Weinguide 2012 das Standardwerk zum Thema Deutscher Wein bleibt. Streitbar, aber ohne Konkurrenz…
Beim letzten Blick der ersten Blicke auf den Gault-Millau-Weinguide 2012 bekommt man wieder den gewohnten Eindruck: Eine ganze Menge plausibler aber erwartbarer Entscheidungen, die man kaum in Frage stellen kann, eine Liste der Ewiggleichen, der großen deutschen Winzer, die im Rotationsprinzip mal den einen, mal den anderen Siegerwein stellen dürfen. Eine Überraschung immerhin, die war dabei. Das ist selten geworden. Und Schuld der Redaktion. Die auf keine Suche geht.
Ohne die Leistungen Müllers als Weinmacher schmälern zu wollen, scheint mir diese Entscheidung freilich eher einen Frage des Proporzes zu sein nach dem Motto: jetzt muss endlich mal einer vom Mittelrhein her. Man kann es wohl auch als solidarische Referenz an das unter Popularitätsmangel leidende Gebiet sehen, dem der Status des Weltkulturerbes bislang nicht den gewünschten Auftrieb gebracht hat.
Der Gault Millau hat ganz sicherlich seinen Stellenwert und ist in einigen Bereichen wichtig. Das möchte ich diesem Buch nicht absprechen. Ich habe einfach nur ein eher ambivalentes Gefühl. Ich denke, es gäbe durchaus spannendere Arten, einen solchen Weinführer zu machen. Natürlich habe ich dafür nicht die finale, wahre und zündende Idee. Woher auch. Ich hinterfrage einfach nur mein eigenes Lese- und Konsumverhalten. Ich reagiere mittlerweile einfach ganz deutlich auf Wein-Empfehlungen, die ich beispielsweise auf Facebook lese. Da weiss ich, wer sie ausspricht und warum. In der Regel, weil der Wein gut schmeckt…
Mit dem Punkt der persönlichen Empfehlungen sind wir auch schon wieder beim Thema von mywineportal.com: Für uns muss Wein in erster Linie schmecken! Und auf die besten Weine werden wir meist über Empfehlungen von Freunden und Bekannten aufmerksam. Ob solch ein „Lieblingswein“ von großen Weinführern ausgezeichnet wurde oder nicht, ist in so einem Fall unwichtig.

