*Update* Stuart Pigott im BR-Fernsehen: Neue Folge zu “Wein und Lage”

*Update: Neue Folge “Wein und Lagen”*
Stuart Pigott war letzten Samstag zum dritten Mal für den Bayerischen Rundfunk unterwegs. Dieses Mal hat er sich dem Thema “Die Lagen sind der Komponist des Weins” gewidmet. Das tut er, wie gewohnt, auf seine ganz eigene Art:

“Terroir-Geschwafel” ist Stuart Pigott zuwider. Er besucht Winzer, die verwilderte alte Steillagen der Vergessenheit entrissen haben und auf denen heute wieder große Weine wachsen: Daniel Vollenweider an der Mosel, Roman Niewodniczanski (van Volxem) an der Saar, Eva Fricke am Rhein und die Jungwinzervereinigung ‚Südpfalz-Connexion‘ in der Pfalz. Und diese Winzer erweisen sich als begnadete Interpreten ihrer Steillagen-Kompositionen!

Die aktuelle Folge kann noch bis Samstag in der Mediathek des BR als Stream angeschaut werden. Hier geht es direkt zum Video.

Am Samstag, 28. Januar, geht es um 15:30 Uhr dann mit der nächsten Folge weiter. Dabei dreht sich für Stuart Pigott alles um den Spätburgunder. Die Traube, die für Pigott “als Diva und Mimose bekannt ist” – und doch gehören ihr die Herzen der deutschen Spitzenwinzer.

*ursprünglicher Artikel vom 13. Januar*
Im Fernsehen des Bayerischen Rundfunks läuft seit letztem Samstag wieder die Reihe “Weinwunder Deutschland” mit Stuart Pigott. Insgesamt sechs Folgen werden jeweils Samstags um 15:30 Uhr gesendet. In der Pressemeldung heißt es dazu:

Guter Wein muss nicht teuer sein! Misstrauen Sie großen Namen! Vertrauen Sie ihrer Zunge! Wein muss allein dem schmecken, der ihn trinkt! Stuart Pigotts zentrale Weinbotschaften sind ebenso unkonventionell wie die Art, wie er auf seinen Reisen durch die deutschen Weinbaugebiete hinter die Kulissen des “deutschen Weinwunders” schaut.

Die erste Folge lief bereits letzten Samstag, ist aber in der BR-Mediathek noch online abrufbar. Stuart Pigott vergleicht hier Traditionsweingüter mit Startup-Weingütern:

Stuart Pigott geht der Frage nach, ob große deutsche Traditionsbetriebe wie ‘Schloss Johannisberg’ (Rheingau) oder ‘Maximin Grünhaus’ (Mosel) zur Innovation fähig sind und zu annehmbaren Preisen beste  Weinqualität liefern – oder sind sie im “Schlossballast” erstarrt und im Vergleich zu teuer? Den großen Klassikern gegenüber stehen auf dieser Reise zwei kleine Start-Ups, die erst vor kurzem gegründet wurden. Pigott besucht Eva Vollmer in einem Mainzer Vorort und die Shelter Winery (Hans-Bert Espe und Silke Wolf) im Breisgau/Baden.
Tradition versus Improvisation, Schloss versus Start-Up – wo kriege ich mehr Wein für weniger Geld?

Anschauen lohnt sich auf jeden Fall! Die Beiträge sind sehr kurzweilig und interessant aufgebaut. Eine Themenübersicht für die nächsten fünf Folgen gibt es hier. Direkt zum Video zur BR-Mediathek (dort links im Suchfeld “Weinwunder” eingeben) geht es mit einem Klick auf dieses Bild:

Wein-Mythen Teil 7: Deutscher Wein ist immer süß

Das ist wohl ein Mythos, der sich lange hielt, inzwischen aber zum Glück als überholt gelten kann. Schuld an diesem Mythos ist die Zeit der frühen 70er Jahre und allen voran die Liebfrauenmilch, die in den Übersee-Märkten reißenden Absatz fand. Dem Trend zu süßem Wein konnte sich in dieser Zeit kaum ein deutscher Winzer entziehen: Verkauft wurde, was süß war.

Steve Miller, einer der angesagten Wein-Experten dieser Zeit, hatte das vor zehn Jahren bei der Eröffnungsrede zur VDP-Weinbörse wie folgt zusammengefasst:

In den 60er, 70er und 80er Jahren wurde die Vermarktung deutscher Weine in den Staaten bestimmt von Weinsorten wie „Liebfrauenmilch“, regionalen Weinverschnitten, billigen Großlagensorten und schlimmerem. Qualitativ minderwertige Billigweine machten den Weinkonsument glauben, alle deutschen Weine seien mild, zuckersüß und nicht wert, von seriösen Weinkennern beachtet zu werden. Frühere gute Renommierweine berühmter Weinbauorte wie Nierstein oder der Goldtröpfchen-Lage gingen unter in einer Flut von „Gutes Domtal“ und „Michelsberg“, und als der Markt schließlich einen absoluten Tiefstand erreicht hatte, war praktisch nichts mehr übriggeblieben.

Trauriger Schlusspunkt des Trends der „Süßen deutschen Weine“ war 1985 der Glykolskandal, der die Branche fast in den Ruin stürzte. Seinen Ursprung hatte der Skandal in Österreich. Dort hatten Winzer systematisch Wein mit Glykol gepanscht, um mehr Süße zu erzielen. In Deutschland wurden die Weine anschließend illegal verschnitten. Ganz nach dem oben angesprochenen Motto: Verkauft wurde, was süß war.

Ausgabe 31/1985

In den folgenden Jahren brach der Weinabsatz in Österreich aber auch in Deutschland drastisch ein. Alleine in den ersten zwei Jahren nach dem Skandal schrumpfte der österreichische Weinexport von 450.000 Hektolitern auf gerade einmal noch 44.000 Hektoliter. Viele Weingüter standen vor der Pleite. In Deutschland sah es nicht viel besser aus. Nach Bekanntwerden des Skandals brachen sowohl der Inlandsabsatz wie auch der Export drastisch ein.

So befremdlich es auch klingen mag: Die Qualität heutiger deutscher Weine haben wir nicht zuletzt dem Glykolskandal zu verdanken. Reflexartig wurden damals nicht nur Gesetze geändert, sondern auch das Selbstverständnis vieler Produzenten änderte sich grundlegend. Österreich war dabei Vorreiter. Aber auch in Deutschland waren die Auswirkungen sehr ähnlich:

„Das Bewusstsein der Erzeuger ist seit Mitte der 80er Jahre gewachsen, und seit den 90er Jahren ist die Qualität der Weine deutlich gestiegen“, sagt der Präsident des Deutschen Weinbauverbands, Norbert Weber.
Da Deutschland nur indirekt in den Skandal verwickelt gewesen sei, sei die Entwicklung im Vergleich zu Österreich mit etwas Verzögerung abgelaufen. „Aber der Glykol-Skandal war mit Auslöser für eine neue Diskussion, die zu einem riesigen Qualitätsschub geführt hat, gerade auch bei der nächsten Winzer-Generation“, sagt Weber.

Frische, trockene deutsche Weißweine sind seither ein Aushängeschild und auch deutsche Rote haben international inzwischen einen guten Ruf. Manchmal haben also auch die schlimmsten Skandale das Zeug, um gute Entwicklungen anzustoßen. Und manchmal schaffen sie selbst hartnäckigste Mythen aus der Welt.

Stil-Varianten für Etiketten auf Weinflaschen: Klassisch, modern oder künstlerisch?

Produkttexte und Geschmacksbeschreibungen auf der Flaschenrückseite hin oder her. Nicht nur online, sondern gerade im stationären Handel sind die Etiketten auf der Weinflasche vorne meist ausschlaggebend für die Kaufentscheidung:

Oft spielt das Etikett bei der Kaufentscheidung eine tragende Rolle. „Das Auge trinkt mit“ – Konsumenten werden bei der Weinauswahl subjektiv vom Etikett beeinflusst.

Weniger ist oft mehr. Das Etikett sollte auf jeden Fall übersichtlich gestaltet sein. Hier bietet es sich an, auf dem eigentlichen Etikett nur die wichtigsten Angaben wie Erzeuger, Rebsorte, Geschmacksrichtung und Jahrgang zu machen und detaillierte Informationen (z. B. Trinktemperatur, sensorische Beschreibung, Speisebegleitung, etc.) auf dem Rückenetikett zu platzieren.

In den letzten Jahren hat sich in dieser Hinsicht einiges getan, auch wenn Captain Cork da für den deutschen Markt anderer Meinung ist. Von bewusst klassisch, über gezielt modern, bis zu künstlerisch gehen die Versuche weit auseinander. Das Gleiche gilt vermutlich auch für die Geschmäcker der Kunden.

Wir haben uns einige Wein-Etiketten angeschaut und würden gerne wissen, was Sie davon halten? Was trifft Ihren Geschmack am besten? Als erste Anregung haben wir exemplarisch einige Etiketten ausgewählt, die jeweils exemplarisch für eine der drei Gestaltungsrichtungen stehen.

Die moderne Variante wird sehr gut vom Weingut Bastian vertreten. Die betreuende Agentur bekam für die Etiketten kürzlich sogar den Packaging Award 2011:

Ein klassischer Vertreter ist zweifellos das Weingut Schloss Johannisberg. Manche halten die Etiketten inzwischen sogar schon wieder für Kult. So auch Stuart Pigott in seiner letzten Weintour für den Bayerischen Rundfunk:

Künstlerische Etiketten gibt es inzwischen auch einige. Ein etwas extremes, aber plakatives Beispiel sind hier die Etiketten von art4vino, die von verschiedenen Künstlern in stark limitierten Auflagen herausgegeben werden:

Unsere Meinung? Wir tendieren zu den moderneren Varianten. Eine gewisse Modernisierung tut dem Weinmarkt unserer Ansicht nach gut. Andererseits möchten wir die anderen Stilausprägungen nicht missen, denn gerade die große Vielfalt belebt das Angebot. Ihre Meinung? Schreiben Sie uns einfach einen kurzen Kommentar!